….ist das Nichterscheinen des französischen Binnenmarktskommissars Michel
Barnier auf einer Londoner Versammlung zur Finanzkrise. In keiner Sprache sei
mit diesem Kommissar ernsthaft zu reden, so der verärgerte Kommentar der Briten,
mit Mc Creevy, dem Irländer sei das ganz anders gewesen! Recht haben sie da,
McCreevy das ist der Kommissar der nach seinem Job entgegen der akzeptierten
Regeln einen lukrativen Job in der Finanzwelt angenommen hat. Mithin ein nicht
gerade glücklicher Vergleich! Dass übrigens die Briten alle Rekorde brechen was
Lobbyismus angeht, dazu gibt es eine einschlägige Statistik. Absolute Spitze ist
Chichester, vormals Vorsitzender des Ausschusses für Industrie und Forschung im
EP. Damals, als die Briten noch im sicheren Hafen der EVP abgeschirmt von den
grässlichen Machenschaften der Ultrarechten waren, damals, als es noch familiäre
Assistenz gab, die Ehefrau als Sekretärin und den Sohn als Berater. Manche
wurden deswegen sogar verurteilt und sind nicht mehr auf dem Parkett…aber einige
sind eben langlebiger. Wer Barnier Vorwürfe macht, dass er nicht zu jeder
Lobbyistenversammlung anreisen kann, der sollte zuerst vor der eigenen Tür
kehren, und zwar gründlich.
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Kreative Europapolitik
Mit seinem Vorschlag hat J.Cl.Juncker als Vorsitzender der Eurogruppe erneut
Bewegung in das sterile Denken mancher Europäer gebracht. Wenn in der Not
Solidarität nur eine Worthülse bleibt, dann ist der grosse Gedanke vom vereinten
Kontinent nur leeres Geschwätz. Zur Krise gab es bisher keinen griffigeren
Vorschlag, als der des verhinderten EU Ratspräsidenten: alle Mitgliedsstaaten
sollen sich beteiligen an einem Schuldenfonds, der schwächeren Staaten wieder
auf die Beine helfen würde und die Vorgabe für Wiederaufschwung und Investition
liefern könnte die auch der Wirtschaft zugute käme. Das Aufweichen der
Maastrichtkriterien trägt nun wirklich nicht zur Stärkung der gemeinsamen
Währung bei, wenn nicht sichergestellt ist was mit dem angehäuften Schuldenberg
zu geschehen hat. Das Jammern über die Verfehlungen der Vergangenheit ist Schnee
von gestern, dieser neue Vorschlag könnte vielleicht ein Ausweg aus der
Krisensituation sein! Viel einfacher wäre natürlich wenn er vom EU
Ratspräsidenten gemacht worden wäre. Aber nachdem Merckel und Sarkozy Juncker
als solchen verhindert haben, darf man gespannt sein auf deren Reaktion. Nachdem
der italienische Aussenminister das deutsch-französische Zwiegespann erweitern
wollte, hat sich nun Polen zu Wort gemeldet gegen eine Spaltung in grosse und
kleine Staaten. Sehr spannend ist mithin der Diskurs in Sachen Krisenbewältigung
geworden. Dass auch aus kleinen Staaten gute Politik kommen kann wird Juncker
erneut beweisen….
Obama
Die Niederlage seiner Partei hat ihm sehr zugesetzt. Der charismatische
Präsident ist angeschlagen, hat Ausstrahlung und Glanz verloren, konnte in den
ersten Fernsehauftritten seine Enttäuschung nicht verbergen, und hatte trotzdem
eine grossartige versöhnliche Geste zur Hand! Ein Telefonat mit dem Gewinner und
dem Angebot zusammen zu arbeiten. Dessen Forderung: die Gesundheitsreform muss
rückgängig gemacht werden. Ein Hauptanliegen des Präsidenten, das er mit Mühe
und Verhandlungsgeschick durch die Instanzen presste. Alles wieder von vorne?
Dass amerikanische Politik anders ist, wird manchmal als Medienrummel, oder von
der Wirtschaft ferngesteuert empfunden. Wie sehr aber die einzelnen Menschen
sich dafür interessieren, ist schon erstaunlich. Präsident Obama hat nur noch
zwei Jahre bis zur nächsten Wahl. Manche denken dass es für ihn besser wäre sich
um grosse weltpolitische Themen zu kümmern, Israel und Palestina, Guantanamo und
seine grosse Idee der Atomwaffenfreien Welt. Könnte er da noch punkten, dann
wäre seine Zeit für die Weltpolitik ein glänzendes Gegenstück zu seinem
Vorgänger George W Bush, der trotz Krieg im Irak den Terrorismus nicht besiegt
hat.
Quo Vadis Europa?
Vorerst gebannt ist die Gefahr des Zerfalls in nationalstaatliches Denken. Der
deutsch-französische Vorschlag, Länder wegen Nicht Erreichens der Haushaltsziele
von den Abstimmungen im Rat auszuschliessen, wurde zurückgewiesen. Allein die
Ungeheuerlichkeit dieses Vorschlags hinterlässt tiefe Wunden! Nichts mehr vom
Solidaritätsgedanken, nicht einmal der Versuch mit Sensibilität die Lage des
Andern zu verstehen. Jede Kritik an dem Vorgehen wird denn vom stolzen Franzosen
als Beleidung dargestellt, mimosenhafte Empfindlichkeit, da wo es um die eigene
Haut geht, dafür aber um so knallharter Zuschlag wenn es um Andere geht. Dass es
an der Zeit wäre sich ernsthafte Gedanken um die Zukunft des Nationalstaates zu
machen wenn wir ein starkes handlungsfähiges Europa wollen passt zur Zeit nicht
in die Debatte. Und doch müssten alle Bürger sich dagegen auflehnen dass die
grossen gemeinsamen Probleme die Europa gemeinsam angehen müsste, jetzt dem
kurzsichtigen Denken einiger Profilneurotiker zum Opfer fallen.
Die Efsa und die Amflora
Nun musste die EFSA Farbe bekennen! Die europäische Agentur für
Lebensmittelsicherheit, in Parma stationniert, hat ihre Direktorin bestätigt,
aber erst nachdem dieselbe demissionierte in der grössten Lobbyistenvereinigung
für GMO’s. Demnach wäre das Rätsel geklärt, wieso jahrelang die Gutachten der
Efsa zur BASF Kartoffel nicht so ausfielen dass die Kommission grünes Licht
geben konnte, und dann plötzlich doch ein positives Gutachten erstellt wurde,
weiss man doch dass die Agentur abstimmt, es also auf jede einzelne Stimme
ankommt. Die Unabhängigkeit der Agentur wurde übrigens nicht zum ersten Mal in
Frage gestellt. Ob die Präsidentin mit ihrem offiziellen Ausscheiden aus
besagter Vereinigung auch grundsätzlicgh ihre Meinung ändert, das ist natürlich
eine andere Frage. Dass es hier um Einflussnahme der Agroindustrie und der
Chemieriesen wie die BASF geht ist einer breiten Öffentlichkeit nicht so
bekannt, sollte es aber zumindest den Parlamentariern die sich für GMO einsetzen
sein, so blauäugig dürften sie ja wohl nicht sein, dass solche Zusammenhänge sie
nicht aufmerksam werden lassen auf die Methoden industrieller Lobbyisten.