Dank oder wegen eines deutsch-französischen Kompromisses scheint es nun
beschlossen dass der Stabilitätspakt, der die gemeinsame Währung vor unliebsamen
Entwertungen schützen sollte, der Vergangenheit angehört! Vorerst wurde der,
eigenmächtig von den beiden Grossstaaten ausgetüftelte, Kompromiss dem
Ministerrat vorgelegt und nach Vogel friss oder stirb-Methode durchgeboxt. Was
die anderen Mitgliedsstaaten zu dem Verhandlungsergebnis sagten wird mit dem
Mantel des Schweigens verhüllt, wer möchte sich gegen die Wirtschaftsriesen
stellen und ihren Zorn auf sich ziehen, kleinere Länder ganz bestimmt nicht.
Spanien und Italien haben zugestimmt als beschlossen wurde den Nominalwert der
zulässigen Schulden erst noch offen zu lassen. es scheint die unheilige Allianz
der Länder die mit Geldentwertung seinerzeit ihre Haushalte sanierten. Was die
Kanzlerin dazu sagt steht nicht in den Schlagzeilen. Die Umarmung Merkels und
Sarkozy’s auf den Bildern der Pressekonferenz vermittelt das ungute Gefühl dass
die beiden den Respekt vor kleineren Mitgliedstaaten, und damit die europäische
Solidarität endgültig ins Abseits führen.
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Der französische Streik
…ist der Ausdruck einer Revolte gegen den Herrscher, der, als er zum
französischen Präsidenten gewählt wurde, nicht viel mehr als ein Viertel der
Nation auf seiner Seite hatte. Zählt man nämlich die Wahlbeteiligung in
Prozenten und die für Sarkozy abgegebenen Stimmen zusammen, dann liegt die
Zustimmung bei etwa 30%. Das Majorzwahlsystem hat zwar ein Land mit mehr als 300
verschiedenen Käsesorten regierbar gemacht, de Gaulle hat dieses Wort geprägt
nachdem französische Kabinette allzu kurzlebig waren. Aber nun regiert die
Strasse. Oder fast. Etwas mehr Psychologie hätte geholfen, etwa ein Präsident
der zurückhaltend und klug agiert hätte, statt sich immer neue Sprüche für die
Öffentlichkeit zurechtzulegen! Weniger reden, statt dessen mehr tun! Sarkozy hat
zu viel geredet, und wird damit auch noch Europa destabilisieren, solange Frau
Merkel auf ihn hereinfällt. Dass das Zwiegespann zur Zeit für mächtigen Ärger in
Europa sorgt, besagt eigentlich wie sehr die Macht Menschen auf Abwege leiten
kann! Dabei wissen die beiden Staatschefs genau dass über europäische
Geldpolitik in der Eurogruppe oder im Ministerrat der Finanzminister entschieden
wird, und dass für die Öffnung nach Russland immer noch der Rat zuständig ist.
Ihre Wortmeldungen sind demnach Stösse vor den Bug des Schiffes, die nur für
Sturm sorgen, aber keine Resultate sichern.
Multi Kulti in Deutschland
Aus damit sagt Bundeskanzlerin Angela Merkel. Zu recht, denn dieses Wort das
den kulturellen Einheitsbrei signalisiert und den Anschein erweckt, als ob es
keine Vielfalt im kulturellen Bereich mehr gäbe, hat einer besonnenen
« Integrationspolitik » in Deutschland einige Riegel vorgeschoben. CDU
Kreise haben das Gegenwort der Leitkultur geprägt, die beiden Vokabel sollten zu
Unwörtern erklärt werden. Pluralismus, Diversität, wären neue Konzepte, nach
denen eine Gesellschaft aufgebaut werden könnte, die Andere respektiert und
zulässt, da sie sich von ihnen keineswegs bedroht fühlt! Die Kanzlerin selbst
hat anlässlich der deutschen EU Präsidentschaft das grosse Wort geprägt: »
Europas Identität ist die Vielfalt ». Dass die Deutschen vergessen haben
dass bereits Goethe den West-Östlichen Divan verfasste und den Ausblick auf die
andere Kultur des Orients wagte, ja sogar an seinem Lebensende noch Arabisch
lernen wollte, ist Unwissen. Wieso aber 80 Millionen Deutsche Angst vor 4
Millionen türkischen oder kurdischen Einwanderern haben, das beschreibt die
Probleme des stolzen Industriestaates. Deutschland scheint eher ein Problem mit
sich selbst zu haben…
Belgien vor dem Aus?
Mit Spannung wurden die Vorschläge Bart de Wevers erwartet, für Überraschung
dürfte sorgen dass er erst mal die Liste der Würdenträger zusammenstreichen
will! Ein mutiger und brauchbarer Vorschlag….müsste er nicht die Hürden
parlamentarischer Zustimmung passieren! Wer beschneidet sich schon gerne selbst
die Privilegien? Auch dem König will de Wever ans Zeug, was er damit meint ist
allerdings noch unklar. Und dann gäbe es Steuerautonomie für die Regionen, und
erst mal 100 Mio für Brüssel, dann aufgestockt bis auf 300 in den kommenden
Jahren. Geld als Streitmacher, das ist bekannt in Familien und in der Politik.
Die Frankophonen haben den Vorschlag bereits abgelehnt. Was nun, wenn Belgien in
Regionen, sprich kleine Länder verfällt? Eine Konföderation dürfte mit einer
nationalen Regierung die nicht zustande kommen will kaum möglich sein. Vieler
Augen richten sich allerdings auf das Königreich, ist erst einmal Belgien in
Teile zerlegt, werden Basken Katalanen, Tiroler und viele andere mehr auch
gelüsten wieder klein zu sein. Small is beautiful! Na denn, Viel Glück aus
Luxemburg…
Tag der Armut
Ein Armutszeugnis, dass wir ihn jedes Jahr « feiern », aber zumindest
geraten jene die keine Stimme haben nicht ganz in Vergessenheit. Dass es bisher
trotz des aktiven Einsatzes von Vereinen,Einzelpersonen und Kirchen nicht zu
einem menschenwürdigen Leben für alle gekommen ist, müsste die westliche Welt
doch sehr beschämen. Auch die besten Verteilungssysteme über Sozialpolitiken
haben keine ganz überzeugenden Resultate gebracht. Armut ist eben mehr als nur
eine Frage der materiellen Umverteilung. Das Recht auf ein Mindesteinkommen hat
den Armen wohl Rechte geschaffen, ihre Würde als Individuum aber nicht
hergestellt. Armut verbürokratisiert auf Sozialämtern ist eben auch nicht die
Antwort auf die Mängel jener die von der Gesellschaft an den Rand gedrückt
wurden. Dass wir im europäischen Jahr der Armut sind ist schon wieder fast
vergessen. Gute Vorsätze, mit Resultaten die nicht überzeugen…