Beim näherem Hinsehen dürften manche Wirtschaftswissenschaftler aufhorchen. Die deutsche Presse bezeichnet den Laureaten als den Verteidiger der Armen. Im Gegensatz zu den Kurzzeitanalysten, die mit kurzfristig angesiedelten Modellen die Arbeitslosigkeit bekämpfen wollen, oder gar die Haushaltsdefizite der Staaten in Ordnung bringen möchten, rückt Angus Deaton dem wahren Übel unseres Wirtschaftssystems zu Leibe. Die Konsumgesellschaft als solche in Frage zu stellen bedarf wohl einer längerfristigen Überlegung. Die Auswüchse der hiesigen Konsumgesellschaft lesen sich aus den Tonnen weggeworfener Lebensmittel, derweil 800 Mio Menschen hungern. Die Vergeudung der Energieressourcen werden wohl auf der Klimakonferenz in Paris erneut zur Debatte stehen. Beim Klimawandel geht es allerdings auch um Umverteilung, um respektvollen Umgang mit den Gütern. Konsum als Basis des Wirtschaftsmodells in Frage zu stellen ist auch die These des Franzosen Jean Staune, der in einem ausgezeichneten Buch über die Schlüssel zur Zukunft schreibt. (Les clés du futur éd. Plon). Indessen orientiert sich der luxemburgische Wirtschaftsminister am Modell des Amerikaners Jeremy Rifkin, der in einer Brandrede zum Klimawandel vermutlich eher die deutsche Wirtschaft visierte, als die einheimische. Wenn sich nun die Unternehmer an den Löhnen stossen, gar behaupten der hiesige Mindestlohn sei abzuschaffen oder zurückzustufen, so klappt ihre These nicht überein mit einer auf Konsum ausgerichteten Wirtschaft. Die Erhöhung der TVA, die hiesigen Immobilienpreise und jedweder Gebühren bei den öffentlichen Dienstleistungen wie Müllabfuhr, Gas und Stromrechnungen ermöglichen kaum noch Mindestlohnbeziehern über die Runden zu kommen. Nach geplatztem Sozialdialog und Verhärtung der Sprache seitens der Unternehmer braucht es die Steuerung einer Regierung die dem Übel nicht nur an der Oberfläche zu Leibe rückt. Ob die Thesen eines Jeremy Rifkin, der mittlerweile auch seinen « europäischen Traum » anpassen musste, das Allheilmittel sind, darf bezweifelt werden. Den Steuerleuten an Bord der Flaggschiffe Handelskammer und UEL wäre die Lektüre des Nobelpreisträger sowie die auf 2050 angesetzte Analyse von Staune wärmstens zu empfehlen.