Die Skandalwochenzeitung erscheint heute zum letztenmal. Ihre Methoden der Berichterstattung werden damit nicht abgeschafft, im geggenteil: die Beschaffungsmethoden von Information dürften Schule machen. Die Vorgehensweise war so unglaublich , dass Ottonormalverbraucher sich nicht einmal hätte vorstellen können dass privat angezapfte Mobiltelefone Grundlage der Berichterstattung waren. Diese Art von Presse gibt nun wahrhaftig den Datenschützern, die auf unbedingten Schutz der Privatsphäre drängen, recht. Der Medienzar Murdoch hat den Skandal kurz und bündig beendet indem er die Zeitung abschaffte… was jedoch nicht heissen will dass auch seine Methoden nun endgültig vom Tisch sind. Dass sich mit damit Geld verdienen lässt hat er bewiesen, die Auslagen an den Zeitungskiosken besagen wie sehr die Methoden Schule gemacht haben, wie die Jagd auf Prominente zur gesuchten Lektüre wird, das Leid ausgebeutet wird zur Sensation. Der Untergang eines unrühmlichen Skandalblattes bedeutet noch keinen Grund zum Jubeln: nur der kritische Leser der solche Zeitungen erst nicht kauft und der die Auflagen schrumpfen lässt kann dem abhelfen.
Posts by: Erna Hennicot-Schoepges
ICD: Vice President European Cultural Parliament: Senator UPF: Ambassador for peace Uni.lu: C2DH member of the board
Donostia San Sebastian spanische Kulturhauptstadt 2016…
So heisst zumindest der Vorschlag der Jury die am Dienstag diese Wahl getroffen hat, nachdem noch fünf andere Städte im Rennen waren. Der Kulturministerrat soll den Vorschlag nun in eine formelle Entscheidung ummünzen, und dann kann im Zwischenland, an der Küste und in der unmittelbaren Nähe des französischen Biarritz die Vorbereitung für 2016 anlaufen. Politisch nicht uninterressant, da der nur knapp abgewählte sozialistische Bürgermeister die Kandidatur unterstützt und mit eingereicht hat, und der neue Mann, von einer neuen Partei, der « Bildu », das Projekt ebenfalls unterstützt und mitträgt. Kultur soll die Menschen zusammen bringen, das Ende der Gewalt bedeuten, die Sprachbarrieren verwischen, da man hier schon dreisprachig ist…und Englisch noch dazu kommt. Ein wahrhaft grosses Kulturprojekt, weit über herkömmliche Begriffe hinaus.
Somit eine spanische Kulturhauptstadt mit ganz neuem Gesicht!
Wo bleibt die EVP?
Diskussionen ohne Ende um den Euro und Griechenland, die Opposition sollte zur Krisenlösung beitragen, die politischen Spielchen müssten ein Ende haben, so hallte es aus den Reihen der EVP in Richtung Nea Demokratia. Dass die Schwesterpartei von CDU, CSU, und den anderen christdemokratischen Parteien der europäischen Union Mitschuld am Finanzdebakel hat, das war schon gewusst. Einmischung in interne Angelegenheiten war wohl nicht angebracht, oder? Hätte nicht die Dachorganisation EVP auch Interesse daran gehabt die Länderparteien aufmerksam zu machen auf das anstehende Debakel?
Vielleicht wäre dadurch sogar eine gemeinsame Sache entstanden: aus den eigenen Reihen kommt der Kommissionspräsident, der Ratspräsident, der Präsident der Eurogruppe, der Präsident des EP. Die Riege der Mächtigen in Europa kommt aus derselben Parteienfamilie….aber von Gemeinsamkeiten ist nicht viel zu sehen. Vom Präsidenten der EVP war nichts zu hören, Wilfried Martens hat vielleicht gar keinen Kommentar mehr abzugeben, nun, da sein Kalkül die zahlenmässig stärkste Fraktion im EP zu werden, aufging. Auch er wollte seinen Platz nicht räumen, die EVP ist zum zahnlosen Tiger geworden, ohne politische Aussagekraft, ohne Grösse, ohne Glaubwürdigkeit. Die einst stolze Parteienfamilie der christlich sozialen ist ein Klüngel von machtbesessenen Berechnern und politischen Karrieremachern geworden. Kein Wunder dass die Sprüche aus ihren Rängen die griechische Opposition nicht beeindruckt haben.
Wroclaw Kulturhauptstadt 2016
Siegreich ging die polnische Stadt Wroclaw aus dem Wettbewerb zur europäischen Kulturhauptstadt 2016 hervor. Die andern Kandidaten waren Gdansk, Lublin, Katowice und Warschau. Nicht von ungefähr hatten sich alle Bestens auf die letzte Runde vorbereitet, aber bei einem Wettbewerb kann eben nur einer gewinnen. Das ist insgesamt Polen, so hat es der Kulturminister bei der Pressekonferenz formuliert. Das Nachdenken über kulturelle Modelle hat allen polnischen Städten Positives gebracht. Nun wird Wroclaw das Rennen machen. Ob sich dann der polnische Name dieser Stadt wohl auch international durchsetzen wird? Oder sind etwa die Medien noch in der Zeit als Schlesien deutsches Gebiet war zurückgeblieben? Kaum noch liest man für Mumbai Bombay, oder für Beijing Peking, weshalb also mit sturer Regelmässigkeit die polnischen Städte mit ihren ehemals deutschen Namen nennen? Das gilt ebenso für Gdansk und noch viele andere. Allemal wird Wroclaw als neu gekürte Kulturhaupstadt dem polnischen Namen alle Ehre zu machen wissen…
Aus für Strasbourg?
Das Europaparlament hat mit grosser Mehrheit gegen Strasburg gestimmt, dem Wanderzirkus soll ein Ende gemacht werden, auch wenn der Brüsseler Plenarsaal nicht so grosszügig und repräsentativ ist….es sei denn die noch belgische Hauptstadt bietet einen zusätzlichen Neubau an! Ohnehin ist das Brüsseler Europaviertel in den letzten 40 Jahren « work in progress » gewesen, ständig wurde abgerissen und wieder neu gebaut, es gibt derzeit ja auch einen vom Architekten Christian de Portzamparc entworfenen Stadtplan für die Gebäude des EP und der Kommission. Ob der Ministerrat dem zustimmen kann ist allerdings fraglich: es würde eine Vertragsänderung bedeuten. Vielleicht ist der Augenblick gut gewählt, da im Moment ohnehin einige Änderungen überfällig wären.
Allerdings dürfte mit starkem Widerstand aus Frankreich zu rechnen sein. Eine Klage beim EUGH ist noch anhängig, da der Entschluss, 2 Sitzungen weniger im Elsass abzuhalten, gegen die Abmachungen in den Verträgen ist. Auch dürfte es nicht so einfach sein eine passende Institution für das schöne Strasburger Gebäude zu finden….


